Tausende zur Rallye Show 2016 am Sachsenring

Rallye Show 2016 am Sachsenring ©Roman Pfüller
Eines der drei Renn-Taxis pilotierte Philip Geipel um den Ring. Foto: Roman Pfüller

Sachsen/Hohenstein-Ernstthal. Heiß her ging es Samstag bei Temperaturen um die 0 °C am Sachsenring. Am 27. Januar bot sich rund 60 Rallye-Teams die Chance zur Mannschafts-Präsentation und auch die Möglichkeit, ihre Fahrzeuge für den Start der kommenden Saison einzustellen.
Die Teams samt Fahrzeugen sowie Freunde und Angehörige bevölkerten das Fahrerlager Eins und die Boxengasse des Verkehrssicherheitszentrums (VSZ). Außerdem pilgerten mehrere tausend Fans und Besucher am Samstag an den Sachsenring zur Rally Show 2016, für die der Eintritt wie immer kostenfrei war.
Auf dem bewässerten Grand-Prix-Kurs hatten die Teams ebenfalls die Chance, auf den Einstellfahrten auch Sponsoren, Freunde oder Gäste mitzunehmen.

Rallye Show 2016 am Sachsenring ©Roman Pfüller
Die Teams (hier das Team des MC Grünhain) hatten im Fahrerlager Eins die Möglichkeit, ihre Arbeit und die Fahrzeuge zu präsentieren. Foto: Roman Pfüller

„Aus unserer Sicht war es eine gelungene Veranstaltung. Bei sehr angenehmen Wetter waren heute 53 Teams mit Einstell- und Testfahrten auf der Strecke. Nach groben Schätzungen waren auch gute 5.000 Besucher über den gesamten Tag verteilt am Ring“, sagte Hartmut Brunner, Vorsitzender des Renn- und Sportförderverein Chemnitz e.V. (RSVC).

Rallye Show 2016 am Sachsenring ©Roman Pfüller
Tausende Besucher strömten bei strahlendem Sonnenschein an den Sachsenring, um die Teams und ihre Boliden zu bestaunen. Foto: Roman Pfüller

 

Rallye Show 2016 am Sachsenring ©Roman Pfüller
Viel Rummel gab es um das Team von Tina Wiegand, die 2016 wieder mit ihrem „Lupinchen“ in der ADMV-Meisterschaft und in der DRM an den Start gehen wird. Foto: Roman Pfüller

„Wir veranstalten diese Rallyeshow bereits zum 6. Mal unter der Federführung des Verkehrssicherheitszentrum am Sachsenring und mit Unterstützung des Renn -und Sportfördervereins Chemnitz e.V. als Auftakt für die Rallyesaison. Bereits nächste Woche startet der erste Meisterschaftslauf zur Deutschen Rallye-Meisterschaft mit der ADAC Saarland-Pfalz Rallye und somit passte unser gewählter Termin für Einstell- und Testfahrten allen anwesenden Team recht gut“, erklärte Hartmut Brunner weiter.

Rallye Show 2016 am Sachsenring ©Roman Pfüller
Tina Wiegand mit Co-Pilotin Monique Voigt und „Lupinchen“, ihrem VW Lupo GTI, in Aktion. Foto: Roman Pfüller

 

Rallye Show 2016 am Sachsenring ©Roman Pfüller
In diesen drei Renn-Taxis konnten sich Interessierte etwas Rallye-Feeling verschaffen und eindrucksvoll Geschwindigkeit und Fahrphysik erleben. Foto: Roman Pfüller

Drei Renntaxis drehten den ganzen Tag lang ihre Runden, um den Besuchern auch ein Feeling für Drifts und Kurvengeschwindigkeiten zu vermitteln. Peter Corazza, Ruben Zeltner und Philip Geipel zirkelten zur Rallye Show 2016 Runde um Runde ihre Boliden – mal punktgenau auf der Ideallinie und mal im wilden Drift – um den Ring. „Philip Geipel fuhr dabei mit seinem Renntaxi für den Verein „Das Erzgebirge gegen Blutkrebs“ und sammelte Spenden für einen guten Zweck“, sagte der Vorsitzende des RSVC.

Rallye Show 2016 am Sachsenring ©Roman Pfüller
Philip Geipel fuhr am Sachsenring Benefiz-Runden für den Verein „Das Erzgebirge gegen Blutkrebs“ und sammelte Spenden. Foto: Roman Pfüller

Im Pressezentrum des VSZ konnten die Besucher mehr über den Rallyesport erfahren. Dort konnten sie Fahrer und Co-Piloten hautnah erleben. In Interviews standen die Teams Rede und Antwort.

Rallye Show 2016 am Sachsenring ©Roman Pfüller
Der Chemnitzer Stefan Harloff und sein Co-Pilot Jeffrey Wiesner mit ihrem Volvo 242 bei einer kurzen Besprechung. Foto. Roman Pfüller

„Alle Teilnehmer aus der Region, aber auch aus anderen angrenzenden Bundesländern angereist, waren nach Abschluss des Tages voller Lob und Anerkennung. Das spornt an für eine neue Auflage im Jahr 2017 mit der 7. Rallyeshow am Sachsenring“, resümierte Hartmut Brunner die Veranstaltung.

Rallye Show 2016 am Sachsenring ©Roman Pfüller
Bei strahlendem Sonnenschein begeisterte die 6. Rallye Show am Sachsenring Besucher wie auch Teams und Fahrer. Foto. Roman Pfüller

„Im Namen des RSVC danken wir allen teilnehmenden Teams und besonders Ruben Zeltner, Peter Corazza und Philip Geipel sowie den zigtausenden Besuchern und Motorsportfans und freuen uns bereits jetzt auf die Rallyeshow 2017“, heißt es auf der Webseite des RSVC.

Jahreswechsel

Alle Jahre an Silvester
wird der Menschheit Glaube fester:
Das kommende Kalenderjahr
wird besser, als das alte war.
Mit Sekt und Bier, mit Schnaps und Wein
läutet man den Wechsel ein.
Und vergisst im Augenblick
all Kummer und das Missgeschick,
das im alten Jahr en masse
uns Nerven raubte und den Spaß.

Mit Feuerschweif und Mordskrawall
schießt man viel Geld in Richtung All.
Und die neue Vorsatz-Liste
holt man aus der Mottenkiste.
Zumeist wird sie am Neujahrsmorgen
auch gleich wieder dort verborgen.
Was bleibt, das ist der Neujahrs-Kater,
lehrt uns die Lebens-Alma-Mater.
Man merkt meist schon nach KW 1:
Das neue Jahr ist auch nicht meins.

Statt nur zu wünschen und zu hoffen,
sollen Herz und Augen offen,
das Denken und das Handeln gut,
in der Seele warme Glut
und im Geben Gönnen sein.
Dann wird’s dein Jahr von ganz allein.

Verlaufen, verstanden, vergangen

Ich habe angefangen.
Hab ich mich verfangen?
Denn frei fühle ich mich nicht.

Ich habe viel Verlangen.
Hab ich zu viel verlangt?
Denn zufrieden bin ich nicht.

Ich bin weit gegangen.
Bin ich zu weit gegangen?
Denn angekommen bin ich nicht.

Ich habe lang gewartet.
Hab ich zu viel erwartet?
Denn Erfüllung ist da nicht.

Ich bin viel gegangen.
Ist zu viel schiefgegangen?
Denn das Ziel, das seh ich nicht.

Ich habe viel gestanden.
Habe ich nichts verstanden?
Denn Erkenntnis ist da nicht.

Ich habe viel gefragt.
Bin ich überfragt?
Denn Antworten sind da nicht.

Ich bin viel gelaufen.
Hab ich mich verlaufen?
Denn den Weg – ich seh ihn nicht.

Zeit und Zeitgeist

Zeit zu gewinnen und zu sparen, darauf sind wir stets erpicht.
Die Zeit läuft stets im gleichen Takt, doch wir nehmen sie uns nicht.

Worte zählen heute nicht mehr, doch die Zahlen haben Wert.
Der Sinn des Wortes „Ehrenwort“ hat sich ins Gegenteil verkehrt.

Leere Menschenhüllen füllen sich rasant mit lauter Tand
und nur noch Unverbindlichkeiten verlassen ihre kalte Hand.

Wir füllen unsere Lebensleere aus mit virtuellem Sein.
Wir legen lauter Seelenbrände für den schönen äußeren Schein.

In diesen zeitgerafften Tagen verlernen wir, etwas zu geben.
Dafür können wir uns heut aus Feenstaub Beziehungsnetze weben.

Die Menschenerde trocknet aus, zerbricht, ohne zu beben.
Doch zwischen all den öden Feldern gibt es Oasen voller Leben.

Seelenseen liegen da – mal still, mal aufgewühlt,
warme Wasser voller Tiefe, Geheimnisse darin umspült.

Hinter alten, dicken Mauern und den dornenreichen Sträuchern
versuchen heiße Herzensfeuer, die Verzweiflung auszuräuchern.

Das Wichtigste ist zu verlernen, sich trotz der Nähe zu entfernen,
und es wieder zu genießen, die eigne Seele aufzuschließen.

Quad Wintercup 2016 – Schlammpackung inklusive

Quad Wintercup 2016 Pfützenspringer
Wo andere einen großen Bogen machen, fährt der Quadfahrer einfach mittendurch. Der Schlamm muss spritzen! Der Dreck muss fliegen! Foto: Roman Pfüller

Ich bin zwar Motorrad-Rennsport-Fan, aber Enduro-, Motocross- und auch Quad-Sport waren bisher noch nicht so meins. Also, ich hatte es zumindest bis dato noch nicht live versucht. Das sollte sich mit dem 30. Januar und dem Quad Wintercup 2016 ändern.

„Wie bereits im letzten Jahr angekündigt legt die “Quad-Trophy – um den Rochlitzer Berg/Seelitz” in diesen Jahr einen Boxenstopp ein, um dann 2017 wieder mit Vollgas durch zu starten“ hieß es auf der Webseite des Veranstalters. „Der Quad-Trophy-Wintercup findet ohne jegliche Wertung statt und wird einer geschmeidigen Ausfahrt ähneln.“ – Was das wohl für ein „Spaß“ werden wird, war so mein Gedanke am Samstagmorgen.

Mein Start war gleich mal „bescheiden“: Statt 9:30 Uhr – wie überall im Netz verkündet – war der Aufbruch zum Quad Wintercup 2016 am Waldhotel Seelitz bereits 8:30 Uhr. Aber zum Glück war ich nicht der einzige Verwirrte. Also hieß es einen der Fahrer, für mich und ein paar Quad-Verrückte erst einmal, dem Tross hinterherzuhetzen.
Unser zweiter Stopp war dann das Trainingsgelände des MSC Wechselburg.

Quad Wintercup 2016 ©Roman Pfüller
Schon nach den ersten Runden in Wechselburg war der vierrädrige Untersatz so mancher Quadfahrer bereits gut paniert. Foto Roman Pfüller

Mein erster Gedanke dort: „Idiot, top Klamotten-Wahl! Das nächste Mal zuerst das Hirn einschalten!“
Meine Trekking-Schuhe leisteten zum Glück gute Dienste auf dem matschigen Waldboden. Gedanke Nummer Zwei: „Hoffentlich schmeißt’s mich hier mit der Spiegelreflex nicht in den Schlamm!“
Und dann kam auch schon der erste „Kaputte“ mit seinem Quad in wildem Drift um die Ecke gezirkelt, dass der Dreck nur so spritzte. „Hier bin ich definitiv richtig“, war Gedanke Nummer Drei. Meine Taufe hatte ich auch gleich hinter mir: Klamotten jetzt in Flecktarn-Optik.

Quad Wintercup 2016 ©Roman Pfüller
Selbst zu der recht frühen Morgenstunde sind die Akteure mit einem Satz behände aus dem Bett gekommen. Foto Roman Pfüller

So, erstmal einen Verantwortlichen finden… Hinter einer Biegung stieg Rauch auf – ein Pavillon mit Bier und Bratwurst. Neben dem „Brat-Maxe“ stand auch gleich der Richtige. Der Verantwortliche des MSC Wechselburg, dessen Namen ich vor lauter Auspuff-Geknatter und sonorem Motoren-Gedrön der großvolumigen Einzylinder nicht mehr verstanden habe, sagte mir: „Dieses Jahr haben wir hier einen kleinen Trial-Parcours aufgebaut. Es sind rund 80 Starter für den Quad Wintercup gemeldet. Die eine Gruppe der Quadfahrer startet hier und die andere in Penig. Im Laufe des Tages wechseln dann die Gruppen.“
Nochmal nach seinem Namen fragen? Ach was, ich brauchte erstmal Fotos! Die Motive ließen nicht lange auf sich warten. Der Trial-Parcours, die wilden Berg-und-Tal-Passagen und natürlich zentnerweise Schlamm und Matsch gepaart mit (Achtung: Wortspiel!) quadratmetergroßen Pfützen sind anscheinend das Lebenselixier der Quadfahrer-Gilde, die schon zu dieser vergleichsweise frühen Stunde aussah, als hätte es vor Fahrtantritt eine kostenlose Fango-Packung für alle gegeben.

Quad Wintercup 2016 ©Roman Pfüller
Die Furchen sind gezogen. Jetzt kann der Bauer Lindemann kommen und die Kartoffeln legen. Foto: Roman Pfüller

Ein älterer gummibestiefelter Herr fragte mich, wo denn der Bratwurst-Stand sei. In unserem kurzen Gespräch bemängelte er nebenbei die verwirrende Ankündigung der Veranstaltung, zumal er extra rund 300 Kilometer aus der Oberpfalz angereist war.
Nicht nur er hatte eine weite Anreise. Unzählige Quad-Verrückte aus ganz Deutschland waren zum Quad Wintercup 2016 nach Mittelsachsen gekommen. Die Kennzeichen der Quads reichten von Berlin über Deggendorf, Fulda bis hin zum Hochsauerlandkreis und vielen anderen Regionen. Auch die angrenzenden Bundesländer Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg waren vertreten.
Trotz der vielen Ecken, aus denen die Quad-Fans angereist waren, war die Besucherzahl hier in Wechselburg an diesem Samstagvormittag noch arg dünn.

Quad Wintercup 2016 ©Roman Pfüller
Das weitläufige Gelände in der Sandgrube des MCL Burgstädt ist die ideale Spielwiese für Quadfahrer, Motocrosser und Enduristen. Foto: Roman Pfüller

Noch ein paar Fotos und dann Standortwechsel: ab zum Endurogelände des MCL Burgstädt. Auf dem Gelände des MCL Burgstädt warteten mehr als 30 Hektar reines Offroad-Gelände auf die Quadfahrer, um nach Lust und Laune und Jucken der Gashand frei zu fahren. Aber auch hier auf dem Gelände bei Penig unweit der A 72 war die Besucherzahl zum Quad Wintercup 2016 recht überschaubar. – Keine Ahnung, ob es an den wenig winterlichen Bedingungen lag oder am stürmischen Wind, der die Temperaturen gut fünf Grad kälter erscheinen ließ, als sie real waren.
Die Fahrer hatten jedenfalls allesamt einen Mordsspaß.
„Ich bin jedes Jahr hier. Ich komme aus Fulda.“, ließ mich dort einer der schlammverschmierten und helmbewehrten Recken wissen. „Wenn hier Wertungsläufe stattfinden, dann fliegt hier die Kuh! Dann sind rund 250 Quads am Start. Die Unterkünfte sichert man bestenfalls auch immer gleich ein Jahr im Voraus. Manche unserer Kumpels schlafen da sogar im Hühnerstall.“

Quad Wintercup 2016 ©Roman Pfüller
Speisen und Getränke gab’s für Fahrer und Besucher an beiden Veranstaltungsorten in ausreichendem Maß. Foto: Roman Pfüller

Die Versorgung war beim Quad Wintercup 2016 selbstverständlich auch für alle gesichert. An den beiden Anlaufpunkten der Veranstaltung, in Wechselburg und Penig, stand Fahrern und Besuchern ein Imbiss mit Bratwurst und Soljanka und natürlich auch mit Getränken zur Verfügung.
Den Abschluss bildete am Samstagabend die Auswertung im Waldhotel Seelitz, bei der es für jeden Teilnehmer eine Erinnerungsmedaille gab.

Quad Wintercup 2016 ©Roman Pfüller
Auch wenn zu den Wertungsläufen dreimal so viele Starter zu verzeichnen sind, war der Wintercup trotzdem ein voller Erfolg. Foto: Roman Pfüller

Insgesamt 84 bestätigte Starter gingen zum Quad Wintercup 2016 auf die Piste. Teilnehmen durfte jeder, der rechtzeitig gegen eine entsprechende Gebühr genannt hatte und dessen Quad oder ATV die technischen Voraussetzungen erfüllte.

Brauner Star – neues Krankheitsbild vermutet

Brauner Star Satire Roman Pfüller
Foto: pixabay.de

Es gibt ja die zwei bekannten Augenkrankenheiten, den Grauen und den Grünen Star. Beim Grauen Star, dem Katarakt, trübt sich die Linse. Beim Grünen Star, dem Glaukom, kommt es zu Gesichtsfeld-Ausfällen.
Nun, nach meinen Beobachtungen häufen sich die Verdachtsfälle, dass es noch eine sehr oft auftretende Unterart des Glaukoms gibt.
Ich nenne sie „Brauner Star“. Die Namensgebung habe ich ganz bewusst gewählt, lässt sich doch feststellen, dass anscheinend betroffene Personen eindeutige Ausfälle im Sehfeld zu verzeichnen haben.
Diese Ausfälle betreffen jedoch zumeist nur die Farbe Braun sowie Brauntöne in all ihren hellen und dunklen Nuancen.
Ich gehe auch stark davon aus, dass diese Erkrankung durch Haustiere, insbesondere durch Hunde übertragen wird.
Wie ich zu dieser Schlussfolgerung komme? Nun, es scheinen ausschließlich Hundebesitzer von dieser Art Braun-Blindheit betroffen zu sein.

Bezeichnend für das Krankheitsbild „Brauner Star“ ist auch die mit der farbselektiven Blindheit einhergehende Einschränkung des olfaktorischen Sinnes der betroffenen Personen. Weder optisch noch geruchsmäßig sind die Erkrankten in der Lage, die Exkremente ihres Haustieres wahrzunehmen. Die Krankheit führt dadurch nicht nur zu einer Einschränkung der Lebensqualität des Hundehalters sondern auch zu einer Einschränkung in dessen mittelbaren Umfeld.
Nimmt diese anscheinend stark fortschreitende Krankheit letztendlich epidemische Ausmaße an, kann sich jeder ausmalen, was uns bevorsteht.

Hier besteht dringend Handlungsbedarf!
Augenärzte aller Länder vereinigt euch!

Gut gefüllt auf dem Weihnachtsmarkt oder: Glühwein wider den Terror

Weihnachtsmarkt Satire Roman Pfüller
Foto: pixabay.de

Terrorattentats-Attacken bei Schwermetall-Musikkonzerten, Bombendrohungs-Szenarien während der Herrschaftszeit von König Fußball – Soll der Mensch heutztage noch auf öffentliche Veranstaltungen gehen, wo doch allem Anschein nach der Terror regiert? Sollte man dem Wunsch nachgeben, den traditionellen christlich-abendländischen Bräuchen und Gepflogenheiten nachzugehen und die heimatlichen Weihnachtsmärkte aufzusuchen, wo sich doch auch hinter jedem weißen Rauschebart ein detonationsgeiler Albino-Gotteskrieger stecken könnte? Ich hab es mal getestet. Und ich habe überlebt – zwar nur knapp – aber ich lebe noch.

Der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz war sogar übervoll – und nicht nur der. Durch die Speckgürtel der Handelszone mit Massen an mandeläugigen Migranten, die mit dem Verkauf von Strickwaren wie Mützen und Schals sowie mit Handschuhen und Co. den schenkwütigen Weihnachtsdeutschen versuchen wollen, kämpfte man sich in den mittleren Ring des weihnachtsmärkt’schen Kulturzentrum. Zwischen diesem Standspalier aus Punsch- und Glühweinständen, die sich mit Gebäck- und Bratbuden sowie Volkskunst-Hütten abwechselten,  wogte der grog- und glühweinschwangere Antiterror-Demonstrationszug umher. Die sichtlichen Unordnung, die den Anschein vollkommener Verwirrung erweckte, hätte jeden Todesboten sein Vorhaben vergessen lassen. Ob das der Plan war?

Zwischen Tausenden von Terror-Trotzern und Lebensbejahern ging kaum ein Bratapfel zur Erde und Muttis mitgeschleppter vierbeiniger Liebling brauchte im Nachgang neben einer Beruhigungs-Pille auch noch ein oder zwei Packungen Fleckensalz, um die klebrige Feuerzangenbowle wieder aus dem Pelz zu bekommen. Diese hatte sich nämlich mit allerlei Zuckerguss, Fressalienkrümeln und Soßenresten in Fiffis Fell zu einer wasserabweisenden Beschichtung verbunden.

Im weihnachtsmärktischen Vergnügungszentrum und dem gleichzeitigem kulturellen Brennpunkt angekommen, in dem sich Vollvermummte in Wolle, Pelz und Daunen – oder wahlweise in Jakob-Wolfshaut-Jacken – dicht gedrängt gegenseitig zu wärmen schienen, konservenmusizierte sich ein mehr oder minder stimmsicheres Volkslied-Schlager-Sternchen jenseits des Karriere-Zenits mit Songs aus Omas Musiktruhe in die Lebkuchenherzen des glüh(wein)enden Auditoriums.

Zwischen den zahllosen Langosch-Lutschern und Volkskunst-Fans waren vereinzelt richtiggehende Kuriositäten zu erspähen:
Rudolf, das rotnasige Schwanktier, das mit dem Gewürznelken-Strauß im Atem eine Feuerzangenbowlonaise anzetteln wollte, der Disco-Foxtrottel mit der Blinkbommelmütze, der nach dem zwölften steifen Grog und der vierten missglückten Pirouette laut gröhlend fast Mamorstein und Eisen in die Reisig-Rabatte gebrochen hätte, Zwerg Säufernase mit den runden Schuhen, der im Rentierpulli wohl eine finnische Polka mit der Bratapfel-Mamsell anzetteln wollte, die ihm aber – passend zum feilgebotenen Produkt selbst  kugelrund und rotbackig glänzend – ein glühweinschwangeres „Lasssmischnn Ruhe!“ entgegen zischte.

Kurzum:
Die Advente wurden gefeiert wie zu jedem Jahr.
Vergessen – spätestens nach dem dritten Glühwein – alle Terrorgefahr.
Es lebt die christlichen Völlerei in Erwartung des Herrn.
Oh, Weihnacht, oh, Christkind, wir haben Dich gern.

(auch erschienen beim WochenENDspiegel)